Bachelorarbeit Zipfel – Freundschaftsgaben von Verbindungsstudenten

BA Nais Marie Baier-373795

Kurzfassung der Bachelorarbeit in den Westmarknachrichten

In meiner Bachelorarbeit habe ich die Bedeutung von persönlichen Freundschaftsgaben von Verbindungsstudenten a.k.a. Zipfel in der ATV Westmark zu Münster untersucht. Dazu habe ich die äußere Form, die Herstellung und die verschiedenen Zipfel-Typen und das Tauschritual näher betrachtet. Außerdem habe ich die persönliche Bedeutung der Zipfel für ihre Besitzer anhand von Interviews mit einigen Westmärkern analysiert. (Vielen Dank an dieser Stelle noch mal für eure Unterstützung!) Daraus hat sich folgendes Fazit ergeben:

Der Zipfel besitzt für alle Interviewten eine besondere Bedeutung und jeder bezeichnete ihn im Laufe des Gesprächs (von sich aus) als „Freundschaftszeichen“ oder „Freundschaftsgeschenk“. Der Abgleich mit der einschlägigen Literatur zum Thema „Freundschaftsgaben“ hat ergeben, dass der Zipfel viele Eigenschaften von Freundschaftsgaben aufweist und deshalb eindeutig als eine solche einzuordnen ist.

Während der Gespräche mit den Interviewten wurde deutlich, dass die Zipfel sowohl als „Materialisierung der Freundschaft[en]“ als auch „nur“ als Erinnerungszeichen angesehen werden. Dabei sind „Erinnerungszeichen“ hier im doppelten Sinne zu verstehen: Zum einen als Anstoß für Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse und zum anderen im Sinne einer Mahnung, den Kontakt zum Tauschpartner aufrecht zu erhalten. Trotz dieser Unterschiede in der Bewertung der Zipfel lässt sich auf eine gleichermaßen hohe persönliche Bedeutung für den Einzelnen schließen.

Den meisten Interviewpartnern schien diese persönliche Bedeutung des Zipfels vor den Gesprächen jedoch nicht bewusst zu sein. Während die äußerliche Beschreibung der Zipfel sowie das Erzählen über die Tauschpartner, den jeweiligen Anlass des Tausches und das Tauschritual allen Interviewten leicht fiel, so konnte fast keiner
 differenziert begründen, warum er bzw. sie einen Zipfel als Freundschaftsgabe getauscht hatte. Die Wahl des Zipfels als Freundschaftsgabe, um besondere Beziehungen zum Ausdruck zu bringen, wird von den Mitgliedern der Akademischen Turnverbindung Westmark zu Münster anscheinend nicht hinterfragt. Der korporative Hintergrund bietet ihnen vielmehr die Möglichkeit, den für sie wichtigen Beziehungen ein Zeichen zu verleihen, das es außerhalb der Verbindungsebene nicht gibt.

Mit einem Zipfel wird weit mehr verbunden, als in seinem Aussehen und seinen Gravuren enthalten ist. Zum einen stellt er für die Mitglieder der Akademischen Turnverbindung Westmark zu Münster das Zeichen ihrer Zugehörigkeit dar. Mit dem Tragen ihres Zipfelbundes zeigen sie, dass sie zur Akademischen Turnverbindung Westmark zu Münster gehören und stolz darauf sind. Innerhalb der Verbindung zeigt der (Bier-)Zipfel überdies, dass sie bereits geburscht, also ordentliche Mitglieder sind und zu welcher Leibfamilie sie gehören. Der Zipfel ermöglicht in diesem Fall die Identifikation mit einer bestimmten Gruppe über das Aussehen der Zipfel. Des Weiteren verbildlicht der Zipfel besondere Beziehungen und verleiht diesen eine zusätzliche Sicherheit. Über den Zipfel versichern sich die Tauschpartner also trotz Ortswechsel usw., auch nach dem Ende des Studiums in Kontakt zu bleiben und füreinander da zu sein. Für die Vielen unsicher und unberechenbar erscheinende Zeit nach dem Abschluss wird durch die Zipfel ein Rückhalt geschaffen. Es wird versucht, Beziehungen über die temporär begrenzte Zeit des Studiums hinaus zu erhalten. Dies kann auch ohne einen Zipfeltausch funktionieren, genauso wie es trotz eines Zipfeltauschs scheitern kann. Aber für die Tauschpartner bedeutet der Tausch eine zusätzliche gegenseitige Versicherung und das wechselseitige Einverständnis, sich um die Beziehung zueinander zu bemühen. Ein Zipfel ist also nicht nur eine Freundschaftsgabe, ein Beziehungs- und Erinnerungszeichen, sondern auch ein Versprechen, das sich die beiden Tauschpartner durch den Tausch geben.